Kommissar Bauer und das Leben drumherum
Kommissar Bauer und das Leben drumherum

Zeugung - ein ganz bestimmter Tag

 

Theresia Bauer ist früh aufgestanden an diesem Tag. Er ist grau, neblig, ungemütlich. Ein Herbsttag, so wie man ihn nicht mag. Die Beatles feiern gerade ihre ersten Erfolge und Adenauer seine letzten Regierungsjahre.

Am Vortag ist es spät geworden. Eine Runde Viehhändler vergaß beim Schafkopfen die Zeit und Theresia musste im "Roten Ochsen" ausharren, bis der Letzte der Männer den Gastraum verlassen hatte. Bis Gläser gespült und der Schanktisch gereinigt waren, war es halb zwei Uhr morgens geworden.

Theresia steckt sich ihre Haare zu einem Dutt zusammen. Reichlich altmodisch für ihr Alter von 34 Jahren. Doch Theresia kommt aus Niederbayern, ist Kind einer Bauernfamilie. Da ist man nicht altmodisch, sondern so wie immer.

Jetzt, am Morgen, erscheint das Leben der Theresia Bauer trist und einsam. Dann mittags und am Abend ist sie Mittelpunkt des Lebens.

Theresia lebt allein, sie hatte bisher nicht das Glück den Passenden zu finden. Immer wieder läuft ihr ein Stenz über den Weg, der sie dann rumkriegt, eine Nacht verbringt und am nächsten Tag wieder weg ist. Sie nimmt es hin, als Mittel gegen die Einsamkeit. Langsam zieht sie die Träger ihres Dirndls über ihre Schultern, schließt den letzten Reißverschluss und ist feritg, fertig für ihr eigenes Theater, ihre Bühne. Im roten Ochsen ist sie der Star, der Blickfang. Schmale Taille, volle Brüste, ein geschmeidiges, harmonisches Gesicht und ihr liebevolles Wesen sind Honig und Milch zugleich.

Theresia Bauer versteht zu verzaubern. Sie ist die Sonne, die im Roten Ochsen leuchtet.

Die Gäste des Gasthauses stammen fast alle aus der Nähe oder sie arbeiten hier, im angrenzenden Schlachthof oder in der Großmarkthalle. Die Augenpaare der rauen, unbehauenen Männer wandern über Theresias volle Brüste, ihr rundliches Gesäß und die schlanken Beine, sofern sie unter dem Dirndl zu erkennen sind.

Von Zeit zu Zeit erdreistet sich ein Gast, mit seiner Hand ihre Rundungen zu betatschen, was sie schnell und effektiv mit einem Schlag auf die Finger des Betreffenden beendet. Theresia mag es nicht, wenn Männer glauben, eine Bedienung sei ohnehin nur eine billige Schlampe. Sie fordert Respekt von ihren Gästen, will geachtet sein, auch wenn die Hemmungen bei Betrunkenen fast völlig zu verschwinden scheinen.

Das Mittagsgeschäft ist lebhaft, die Gaststube gut gefüllt. Viele Gäste, vor allem die Metzger, haben nach dem Essen begonnen Karten zu spielen. Für sie ist der Arbeitstag vorbei, sie genießen den frühen Feierabend.

Theresia Bauer ist froh, wenn auch am Nachmittag Leben in der Wirtsstube herrscht. So vergeht die Zeit bis zum Abendgeschäft schneller, meint sie.

Heute ist ihr ein junger Gast aufgefallen. Er ist blond und dürfte Mitte zwanzig sein. Der junge Mann spielt mit drei weiteren Männern, offenbar drei Metzgern, Schafkopf. Theresia hat ihn vorher noch nie im Roten Ochsen gesehen. Er wäre ihr aufgefallen, so zart, fast jungenhaft, wie sein Gesicht geschnitten ist. Er gefällt ihr, das lässt sie ihn auch spüren, wenn sie ihm vorsichtig das Bierglas auf den Tisch stellt und sich ihr vorgebeugtes Dekolleté auffallend nah an seinem Gesicht befindet. Die Blicke, die sie ihm zuwirft, erwidert er mit einem verschämten Blick zur Seite, einem Ausweichen seiner eigenen Blickrichtung.

Die anderen Kartenspieler reden ihn mit Peter an. Theresia findet, dass das gut zu ihm passt. Es ist ein weicher, kein gewalttätiger Name. Gleich ist es sieben Uhr abends und Theresia hat Peter, dem inzwischen deutlich der Bierkonsum anzumerken ist, gerade einen abgebräunten Leberkäse mit Spiegelei serviert. Sein "Danksche" war eher unbeholfen gehaucht, als fest und männlich.

Heute endet Theresia Bauers schicht schon um acht Uhr. Vielleicht hat sie davor ja noch Gelegenheit, dass sie mit diesem Peter alleine spricht. Sie kann jetzt beobachten, wie er sich von seinem Stuhl erhebt. Leicht schwankend durchquert er die Gaststube, um durch den Flur die Toiletten zu erreichen. Theresia folgt ihm kurzentschlossen und wartet kurze Zeit vor der Männertoilette bis Peter wieder in der Tür erscheint.

"Grias di, i bin die Resi", stellt sich Theresia Bauer vor und sieht dabei dem jungen Mann tief in die Augen. Bevor der etwas entgegnen kann, fährt sie fort:

"I hab' mir dacht, vielleicht hast' Lust auf an kleinen Spaziergang? I hab' glei Schichtende."

Vollkommen überrascht von ihrer Direktheit, stottert Peter:

"Ja, jaja, gern."

Dann begeben sich beide wieder in die Wirtsstube, Theresia kassiert bei einigen Gästen noch ab. Schließlich wirft sie Peter ein Augenzwinkern zu und verläßt das Gasthaus, um vor der Eingangstür auf ihren Schwarn zu warten. Kurze Zeit später tritt Peter aus der Tür, schwankt mit seinem Oberkörper merkbar hin und her und schaut verunsichert Theresia Bauer in die Augen, die sich bei ihm unterhakt und schnellen Schrittes, ihn fast hinter sich herzerrend, vom Roten Ochsen entfernt.

Als sie um die nächste Straßenecke biegen, bleibt Theresia stehen, stellt sich vor den blonden Mann und flüstert:

"Du g'fällst mir!"

Sie packt dabei Peters Kopf mit beiden Händen und zieht ihn zu sich, wo sie ihre Lippen fest auf die zarten Lippen des Mannes drückt. Dieser steht nur da und lässt es über sich ergehen. Zu spontan, zu überraschend sind Theresias Handlungen. Außerdem macht ihn der Alkohol gefügig.

Der Abend ist kühl, Nebel zieht auf in den Gassen zwischen Schlachthof und Lindwurmstraße. Theresia Bauer fröstelt und sie hat es eilig ihre Wohnung zu erreichen - den blonden Peter an ihrer Hand.

Endlich hat sie die Haustüre des Gebäudes erreicht, wo sich im dritten Stock ihre eigene Wohnung befindet. Sonst ist sie dann immer alleine, fühlt sich einsam und nutzlos. Heute hat sie mit Peter jemanden, der zumindest jetzt diese Einsamkeit vergessen lässt. In ihrer Wohnung angelangt, zeigt sie Peter, wo sich das Bad befindet und meint lapidar:

"Wennst' willst' kannst dich da ein bisserl frisch machen!"

"Das wär' vielleicht ned schlecht, danke Resi!"

"I schenk' uns derweilen einen Obstler ein, gell?"

Peter ist im Bad verschwunden und Theresia Bauer geht in die Küche, kramt nach zwei Schnapsgläsern und füllt diese randvoll mit Schnaps. Dann öffnet sie die Knöpfe des Dirndls zwischen ihren beiden Brüsten und setzt sich mit übereinander geschlagenen Beinen auf einen Küchenstuhl.

"I bin fertig", bemerkt Peter schüchtern, als er die Küche betritt.

"Komm, Peterle. Setz' di doch mal her zu mir!"

Der Angesprochene geht zwei Schritte nach vorne und setzt sich neben Theresia an den Küchentisch.

"Also dann, Prost", sagt Theresia und hält ein Schnapsglas nach oben. Der junge Mann nimmt das andere Glas und stößt mit Theresia an. Beide trinken hastig den Alkohol, Theresia um enthemmter zu werden und Peter aus Angst vor dem Ungewissen, das ihn mit dieser Frau erwarten wird.

Während die Bedienung zwei weitere Gläser Schnaps einschenkt, wandert ihre linke Hand am Oberschenkel des Mannes entlang und berührt seinen Schritt. Teresia kann deutlich die feste Ausbeulung in seiner Hose spüren.

Peter blickt starr auf den Küchentisch.

"Na komm Peter, trink' mer noch einen!"

Stumm kippen beide den Schnaps in ihre Kehlen.

Theresia hat begonnen mit ihrer Linken leicht massierende Bewegungen zu machen. Schließlich öffnet sie die Knöpfe an seinem Hosenschlitz, fasst hinein und holt sein bestes Stück nach außen. Dann steht sie auf und setzt sich rittlings auf Peters Schoß. Sie spürt, wie er in sie eindringt und beginnt dann langsam auf ihm zu reiten. Nach vier oder fünf Auf- und Abbewegungen, stöhnt Peter laut auf und ein würgender Schrei verlässt seinen Mund. Seine Augen sind weit aufgerissen, als er seinen Höhepunkt erlebt. Theresia blickt den Mann fassungslos an. Sie ist entsetzt, kann nichts sagen, außer:

"Sag', dass du jetz ned abg'schossen hast!"

Peter erklärt leise:

"Doch, leider. Es war mei erstes Mal!"

"Du bist noch Jungfrau g'wesen?"

"Ja."

"Scheiße, hoffentlich is' jetz nix passiert. Des würd' mir jetz grad' noch fehlen! Warum hast'n nix g'sagt?"

"I wollt' ja, aber, aber, du warst so schnell mit allem!"

Theresia Bauer erhebt sich von seinem Schoß und geht wortlos Richtung Bad. Kurz, bevor sie das Bad betritt, dreht sie sich um und zischt:

"Verschwind' jetz, i mag di hier nimmer sehn. Nie wieder, verstehst'?"

Schließlich schließt sie die Tür hinter sich und beginnt zu weinen. Als sie später die Tür wieder öffnet, ist Peter verschwunden. Nur die leeren Schnapsgläser erinnern noch an ihn.

Geburt

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© Wolfgang Schuldlos